Der Freundeskreis der Gartensiedlung Gronauer Wald war am vergangenen Wochenende mit Frank Grobolschek, Ariane von Britton und Till Erdmenger beim Treffen des „Netzwerks der europäischen Gartenstädte“ vertreten. Vom 4. bis zum 6. Juni 2026 fand dieses Treffen in der Gartenstadt Wekerletelep in Budapest, Ungarn, statt.
Das Netzwerk der europäischen Gartenstädte war 2008 von der Gartenstadt Hellerau anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens ins Leben gerufen worden, um den Vertretern der Gartenstädte einen internationalen Kontakt und Austausch zu ermöglichen. In diesem Netzwerk sind inzwischen 20 Gartenstädte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Polen und Ungarn vertreten. Ein erstes Treffen von Vertretern der Orte mußte aufgrund der Corona-Pandemie mehrfach verschoben werden und fand schließlich 2024 in Freiburg im Breisgau statt. Die Konferenz in Wekerletelep war nun das zweite Treffen des Netzwerks, weitere sind für die Zukunft geplant: In 2 Jahren in der Gartenstadt Karlsruhe und 2030 in Podkowa Leśna, Polen.
Die Gartenstadt in Budapest entstand zwischen 1908 und 1928 als Arbeitersiedlung in starker Anlehnung an die Ideale der Gartenstadt, die Ebenezer Howard formuliert hatte. Angeordnet um einen zentralen Park entstanden rund 4500 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern. Der Plan der Siedlung folgt einer strengen geometrischen Ordnung, die Straßen sind gesäumt von Bäumen. Als eigener Stadtteil konzipiert, gibt es in Wekerletelep eine Kirche, mehrere Schulen und Kindergärten, eine Polizeistation, kleine Geschäfte sowie ein (ehemaliges) Kino. Für die Gestaltung zeichnete hauptsächlich der Architekt Károly Kós verantwortlich. Benannt wurde die Siedlung nach dem damaligen Ministerpräsidenten Sándor Wekerle.
Die Gastgeber vom dortigen Nachbarschafts-Verein Wekerlei Társaskör Egyesület hatten mit sehr viel Engagement ein umfassendes und informatives Programm ausgearbeitet und empfingen die Vertreter aus 9 Gartenstädten (neben Deutschland auch aus Österreich und Polen) in einer unglaublich freundlichen, warmherzigen und großzügigen Weise, von der alle Teilnehmer begeistert waren. Sogar für eine Simultanübersetzung aus dem Ungarischen hatten sie gesorgt.
Die Konferenz startete mit einer Begrüßung vor dem Vereinsbüro, wo eine Outdoor-Ausstellung die vertretenen Gartenstädte zeigte – eine originelle Geste, mit der die Nachbarn vor Ort auf die Konferenz sowie die Verbundenheit mit anderen Gartenstädte aufmerksam gemacht wurden. Ein gemeinsamer Rundgang durch die Siedlung vermittelte allen Beteiligten einen guten Eindruck der ungarischen Gartenstadt. Der folgende Tag begann mit Grußworten des lokalen Bürgermeisters, der Vereins-Vorsitzenden und des Netzwerk-Initiators Ulf Pretschek aus Hellerau.
Im Anschluß vertieften fundierte Vorträge das gemeinsame Wissen: Attila Nagy, Vereinsmitglied und Architekt aus Wekerletelep, sprach über die „Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen einzelnen Gartenstädten“. Die Diplom-Ingenieurin Dr. Mezősné Szilágyi Kinga beleuchtete die „Gartenstadt aus landschaftsarchitektonischer Sicht“. Der Dozent Dr. Szabó Árpád von der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest stellte die „Gartenstadt-Konzeption und die kompakte, lebenswerte Stadt“ in einen historischen Vergleich von den Vorläufern Ebenezer Howards bis hin zum Ausblick auf zukünftige Herausforderungen des urbanen Lebens. Die Architektin und Fachingenieurin für Denkmalschutz Barbara Fogarasi dozierte über „Umweltpsychologie und Denkmalschutz“ und brachte einen faszinierenden transdisziplinären Ansatz in die Runde. Abschließend stellte Dr. Lilla Judit Bartuszek, Gründerin des „Landesverbandes Lebenswerte Siedlungen“ die verschiedenen Förderprogramme der Europäischen Union vor, die für unsere Gartenstädte interessant sein könnten.
Kurzvorstellungen der teilnehmenden Gartenstädte und intensive Workshop-Diskussionen über die gemeinsamen Ziele, Erfolge und Schwierigkeiten in den Orten stärkten die Verbundenheit und den Wunsch, auf europäischer Ebene voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Das Konferenz-Programm für den Samstag war weniger frontal konzipiert und begann mit einer gemeinsamen Kutschfahrt durch die Siedlung. Unser Treffen fiel mit dem 2-tägigen Stadtfest in Wekerletelep zusammen, sodaß wir im zentralen Park am bunten Treiben teilhaben konnten. Das hinderte die Teilnehmer aber nicht daran, auch persönliche und inspirierende Werkstattgespräche in kleineren Gruppen zu führen, bevor das offizielle Programm mit einigen Formalien endete. Eine gemeinsame Besichtigung von Budapest – inklusive einer Schifffahrt auf der Donau entlang der bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt – war dann der fulminante Ausklang des Netzwerktreffens. Die neuen oder intensivierten Verbindungen untereinander führten auch zu einer persönlichen Einladung, bei der Attila Nagy dann am Sonntag mehrere Teilnehmer, darunter Frank Grobolschek und Ariane von Britton vom Freundeskreis, persönlich in seiner Wohnung empfing und von seiner Arbeit an einer umfangreichen Buchreihe über Wekerletelep erzählte.
Wir nehmen von diesem Treffen jede Menge Anregungen und Informationen mit nach Hause: Die europäischen Gartenstädte sind zwar sehr individuell ausgeprägt – ihnen gemeinsam ist aber neben der eigentlichen Idee des lebenswerten Viertels vor allem jede Menge Enthusiasmus und Engagement. Allerorten versucht man, mehr ehrenamtliche Helfer zu gewinnen und mehr Unterstützung seitens der örtlichen Politik und Verwaltung zu erzielen. Vielfach konnten wir feststellen, daß unsere Verbündeten aber auch aufgrund von Eigentumsverhältnissen – beispielsweise als Stiftung oder Genossenschaft – oder durch ihren umfassenden Denkmal-Status besser geschützt sind als wir in der Gartensiedlung Gronauer Wald. In vielen Fällen sind Bebauungspläne, Ensembleschutz, Denkmalschutz oder eine verbindliche Gestaltungsfibel eine Selbstverständlichkeit. Aus Budapest haben wir außerdem ein Gefühl großer Dankbarkeit mit nach Hause genommen. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der zahlreichen Beteiligten war überwältigend! Vielen Dank dafür!
Natürlich haben wir das Treffen auf vielen Bildern festgehalten. Hier zeigen wir eine Auswahl von Fotos aus Wekerletelep, der Gartensiedlung, sowie einige Eindrücke aus Budapest. Alle Fotos – soweit nicht anders markiert – © Till Erdmenger (Nutzung nur für private Zwecke).





















































































![Netzwerk-Treffen der europäischen Gartenstädte in Budapest [aktualisiert] hungarian-parliament-building-7202373_1920-1](https://fggw.de/wp-content/uploads/2025/10/hungarian-parliament-building-7202373_1920-1.jpg)

