Rundweg Gronauerwald

Anna und Richard Zanders errichteten ab 1898 – inspiriert durch die englische Gartenstadt-Bewegung – in der Nähe des Fabrikstandortes Gohrsmühle eine Siedlung für ihre Arbeiter und Angestellten. Große Bäume, Wiesen und der Lerbach wurden in diese neue Vorstadt integriert. Ein zentraler Platz und locker gruppierte Einfamilienhäuser auf großen Parzellen mit Nutz- und Ziergärten sollten eine wie gewachsen erscheinende Ortschaft bilden. Die Stifter wollten für ihre Mitarbeiter ein erschwingliches und architektonisch ansprechendes Wohnen ermöglichen. Trotz vieler Veränderungen gehört die Gartensiedlung Gronauerwald immer noch zu den bedeutendsten Siedlungsprojekten im Rheinland.

Der „Rundweg Gronauerwald“ wurde 2020 vom Freundeskreis der Gartensiedlung Gronauerwald errichtet, damit Interessierte selbstständig besonders schöne Ecken in unserer Nachbarschaft entdecken können. Auf insgesamt 12 Schildern im öffentlichen Raum finden Sie weitere Informationen zu einzelnen Bauten und deren Architekten sowie historische Fotos. Der Rundgang durch die Siedlung umfasst eine Strecke von 2,7 km und dauert etwa 1,5 Stunden.

Übersichtsplan des Rundwegs Gronauerwald
  1. Platz an der Eiche
  2. Talweg
  3. Am Wäldchen
  4. Grüner Weg
  5. Wiesenstraße
  6. Platz am Kiefernweg
  7. Kiefernweg
  8. Richard-Zanders-Straße
  9. Am Birkenhain
  10. Birkenbusch
  11. Ahornweg
  12. Gronauer Waldweg

1 Platz an der Eiche

1897 kauften Anna und Richard Zanders ein ca. 30 Hektar großes Gelände, den Gronauer Wald, um hier eine Siedlung für die Arbeiter und Angestellten der Papierfabrik zu errichten. Bei der Planung orientierten sie sich am Vorbild der englischen Gartenstädte, um einer Entwicklung hin zu „Mietskasernen“ entgegenzuwirken. Das erste Gebäude der neuen Siedlung war der als Gronauer Waldweg Nr. 32/34 wieder errichtete Unterlerbacher Hof, der zuvor im Schloßpark Lerbach, dem Wohnsitz der Eheleute Zanders, gestanden hatte. Hier richtete damals der Architekt Bopp sein Büro ein. Die Häuser an der Eiche sind die ersten neu errichteten Gebäude der Gartensiedlung und entstanden ab 1898 im Stil des Historismus. Dies ist der Grund für die großzügige Verwendung von Fachwerk an den Fassaden. Der Platz an der Eiche hat seinen Namen von den schon damals ortsbildprägenden Bäumen. Schnell entwickelte sich der Platz zum Zentrum der Siedlung.

Ludwig Bopp, Architekt (1869­—1930)
Ludwig Bopp, in Memmingen/Allgäu geboren, kam aus dem Architekturbüro des bekannten Münchener Architekten Gabriel von Seidel, um zunächst den Neubau des Villenkomplexes „Haus Lerbach“ der Familie Zanders als Bauleiter zu überwachen. Wenig später machte er sich als Architekt selbständig und entwarf in der ersten Bauphase der Gronauer Waldsiedlung 71 Ein- und Mehrfamilienhäuser. Besonders hervorzuheben sind hier die Translozierung des ehemaligen Wirtschaftsgutes „Lerbacher Hof“ an den Gronauer Waldweg, sowie die beiden Villen Richard-Zanders-Straße 49 (1899) und Talweg 3 (1910), die Bopp für sich selbst plante und bewohnte. Darüber hinaus schuf er im Rheinland eine Reihe an Großprojekten. In Bergisch Gladbach zählen hierzu das Rathaus, das daneben liegende Brauhaus „Bock“ und der „Bergische Löwe“. Seine Großbauten waren architektonisch vom erwähnten Historismus geprägt.

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2 Talweg

In diesem Teil der Siedlung findet sich anschaulich die von den Gründern Anna und Richard Zanders gewünschte soziale Durchmischung der Anwohner. Eine herrschaftliche Villa am Talweg wird im Kreuzungsbereich Gronauer Waldweg von drei spiegelbildlich aufgestellten Arbeiterhäusern des Architekten Ludwig Bopp eingefasst, die in den Jahren um 1905 entstanden. Die Villa Talweg 3 baute der Architekt Ludwig Bopp 1910 als sein zweites Haus innerhalb der Siedlung. Das Haus Talweg 1 bekam die berühmte Malerin und Werbegrafikerin Alexe Altenkirch am 6. Dezember 1918 von ihrer Freundin Olga Zanders geschenkt, dort sollte sie „Ruhe finden von aller Arbeit, Last und Sorge Deines harten erfüllten Lebens“.


Anna Zanders, geb. von Siemens (1858—1939)
Anna Eleonore Sophie Zanders, geb. am 12. Dezember 1858, war die jüngste Tochter des deutschen Erfinders und Industriellen Werner von Siemens. 1887 heiratete sie Richard Zanders. Richard und Anna galten als schönes und kluges Paar mit Kunstverständnis und sozialem Engagement. Zusätzlich zu ihrem Vermögen brachte Anna nach dem Tode ihres Vaters 1892 weitere beträchtliche Summen in die Ehe. Das Paar investierte in Grundstücke und wurde innerhalb weniger Jahre zum größten privaten Grundbesitzer der Stadt. Im Jahr 1897 kauften sie 30 ha im Ortsteil Gronau und verwirklichten hier ihre Vorstellungen einer Gartenstadt mit Gründung der Gartensiedlung Gronauerwald. Anna und Richard kauften zusätzlich den alten Rittersitz Gut Lerbach und ließen diesen ab 1898 standesgemäß durch den Münchner Architekten Gabriel von Seidl zu einem schlossartigen Landsitz ausbauen. Durch den frühen Tod Richard Zanders im Jahre 1906 fanden alle Pläne für eine gemeinsame Zukunft ein jähes Ende. Mit 48 Jahren kinderlos verwitwet, setzte sich Anna Zanders aber weiterhin für soziale Belange ein und stiftete u.a. das städtische Hallenbad.

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3 Am Wäldchen

Nach dem 1. Weltkrieg gab es im Stadtgebiet zwar keine kriegsbedingten Zerstörungen, doch das Anwachsen der Bevölkerung und der desolate Zustand vieler alter Gebäude führte zu einem massiven Wohnraummangel, der dazu zwang, dass man sich auch in der Gronauer Waldsiedlung verstärkt um die Erstellung weiterer Einfamilienhäuser kümmern musste. Nach 1925 wurde deshalb die markante 4 Morgen große Spielwiese innerhalb des alten Siedlungsteiles aufgegeben und bebaut. War die Spielwiese vor und nach dem Krieg u.a. für Fußballspiele der örtlichen Vereine genutzt worden, entstand nun Mitte der 1920er Jahre der T-förmig ausgebildete Straßenzug „Am Wäldchen“, der an seinem Kreuzungsbereich von drei aufeinander bezogenen Baugruppen flankiert wird. Des Weiteren entstanden vier Doppelhäuser am Gronauer Waldweg. Ursprünglich waren alle Gebäude dieses neuen Ensembles rotbraun getüncht und in den Giebeln mit Fachwerk ausgeführt. Entworfen wurden diese Gebäude vom Architekten Peter Will.


Peter Will, Architekt (1877—1957)
Peter Will wurde am 16. Mai 1877 als Spross einer alteingesessenen Familie in Bergisch Gladbach geboren. Nach dem Besuch der Baugewerkeschule in Köln studierte er an den Technischen Hochschulen Berlin und München Architektur. 1903 ließ er sich in Bergisch Gladbach als Architekt nieder. Er übernahm öffentliche Aufträge und baute für private Bauherren. Unter seiner Handschrift entstanden aber auch das alte Progymnasium an der Odenthaler Straße und die städtische Badeanstalt mit den umgebenden Wohngebäuden. Bei der Vergabe von Planungsaufträgen für die Gronauer Waldsiedlung wurde er von Anna Zanders bevorzugt. In der Siedlung gehen sowohl Reihenhäuser als auch repräsentative Villenanwesen auf ihn zurück. Wills Reihenhäuser in der Gronauer Waldsiedlung kennzeichnen eine betont zurückhaltende Fassadengestaltung.

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4 Grüner Weg

Der Grüne Weg dient als Verbindung zwischen der Richard-Zanders-Straße und der Braunkohlenstraße. Viele der Häuser stammen noch aus der ersten Bauphase zwischen 1900—1906, dem Todesjahr von Richard Zanders. Dieser Bereich wurde nach den Plänen des Landschaftsarchitekten Albert Brodersen ausgebildet, der vorsah, dass Wohnwege wie der Grüne Weg lediglich 5—6 m breit ausgebaut sein sollten. Auf die Einrichtung von Bürgersteigen wurde verzichtet und der Straßenraum sollte durch die Hecken der jeweiligen Vorgärten eingefasst werden. Zwischen Straßendecke und Grundstück wurden eine Rinne zum Abfluss von Regen sowie ein Seitenstreifen zum Schutz der Hecke angelegt. Für den Straßenbau dieser Wohnwege wurde überwiegend Hüttenschlacke bzw. Dolomitschotter verwendet. Um 1914 erhielt der Grüne Weg seinen Namen, der vermutlich auf den Verlauf der Straße durch die grüne Gartenstadt anspielen sollte. Einzelne Häuser weisen noch heute den ursprünglichen Baukörper auf, hier sind auch Gestaltungselemente noch weitgehend erhalten. Das sonstige Straßenbild hat sich jedoch stark verändert.


Albert Brodersen, Landschaftsgestalter (1857—1930)
Albert Brodersen durchlief eine rund zehn Jahre währende Ausbildung in verschiedenen Gärtnereien und unternahm zahlreiche Studienreisen. 1884 legte er das Examen als „Königlicher Obergärtner“ ab und leitete im Anschluss gemeinsam mit seinem Schwager die Landschaftsgärtnerei Körner und Brodersen. In diesen Jahren gehörten große Parkgestaltungen, Villengärten sowie die Umsetzung städtebaulicher Großprojekte zu den Aufgaben des Unternehmens. Aufgrund seiner engen Kontakte zu beteiligten Architekten war er maßgeblich an der Landschaftsplanung der Gronauer Waldsiedlung beteiligt. Die von ihm aufgestellten gärtnerischen Leitlinien stärkten die Qualität und den Charakter der Wohnsiedlung. 1910 wurde Albert Brodersen Gartenbaudirektor der Stadt Berlin.

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5 Wiesenstraße

Der Straßenname greift die Bezeichnung einer historischen Siedlung auf, die erstmals um 1820 als „Wiesen“ Erwähnung findet. Die Ansiedlung lag im Süden Heidkamps westlich der Bensberger Straße und zählte 1858 nur 34 Einwohner, wuchs aber bis 1905 auf 9 Wohnbauten mit 56 Einwohnern an. Der Siedlungsname bezog sich auf die topographische Lage an den Auwiesen im Lerbachtal. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs musste auch hier Wohnraum geschaffen werden. Die Siedlungsgesellschaft Gronauerwald griff hierfür auf Musterpläne der 1918 gegründeten „Rheinischen Wohnungsfürsorge“ zurück. Deren Zweck war die „Förderung der gemeinnützigen Bautätigkeit, um minderbemittelten Familien und Personen gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu beschaf-fen“. So entstanden um 1927 zahlreiche Doppelhäuser in der Wiesenstraße und am Talweg. Besonders auffällig sind die eingeschossigen Doppelhäuser mit querliegendem Spitztonnendach. Die verwendete Zollinger-Bauweise ermöglichte einen stützungsfreien Innenraum im Dachgeschoss.


Bernhard Kampffmeyer, Architekt (1867—1942)

Bernhard Kampffmeyer wurde am 25. Juni 1867 als Sohn eines Buchhändlers in Berlin geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er in München, Berlin und Hannover Architektur, wurde im Anschluss Gärtner und Volkswirt und ab 1906 für mehrere Jahre Vorsitzender der Deutschen Gartenstadtgesellschaft (DGG). Er war Mitinitiator mehrerer Gartenstädte in Deutschland und seit Beginn der Bauphase in der Gronauer Waldsiedlung Geschäftsführer der Siedlungsgesellschaft Gronauerwald. Von Kampffmeyer wissen wir, dass er auch als Publizist tätig war und wichtige Veröffentlichungen zum Thema „Gartenstadt“ verfasste. Gemeinsam mit seinen Brüdern Paul und Hans war Bernhard Kampffmeyer als treibende Kraft in den Bereichen Arbeiterbewegung, Lebensreformbewegung und Gartenstadtbewegung aktiv.

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6 Platz am Kiefernweg

Die Häuser am „Kiefernwegplätzchen“, wie der Platz liebevoll von seinen Anwohnern genannt wird, stammen aus der 2. Bauphase zwischen 1906 und 1913. Die Pläne vom Reihenhausriegel Kiefernweg 24—34 wurden vom Architekten Jakobus Goettel entworfen. Bei den Häusern handelt es sich um klar gegliederte, zweigeschossig angelegte Putzbauten, die durch ein Walmdach abgedeckt wurden. Die beiden Eckhäuser rechts und links des Riegels sind etwas nach vorne abgesetzt – ein typisches Stilelement von Goettel. Neben den Schlagläden diente die pultartige Eingangsüberdachung als Schmuckelement. Im November 1917 bezog der bekannte Architekt Bruno Taut, vermutlich aufgrund seiner Kontakte zu Goettel, für einige Zeit das Haus Kiefernweg 34. Taut, einer der bedeutendsten und engagiertesten deutschen Reformarchitekten des 20. Jahrhunderts, war ebenfalls aktiv an der Gestaltung verschiedener Gartenstadtsiedlungen in Deutschland beteiligt.


Jakobus Goettel, Architekt (1886—?)

Jakobus Goettel befasste sich als Architekt vorrangig mit Gartenstadt-Planungen und Siedlungsprojekten in Deutschland. Für die Gronauer Waldsiedlung schuf er 1914 einen Erweiterungsplan, der aber nicht verwirklicht wurde. Auf ihn gehen jedoch einige Einzelobjekte und Reihenhausgruppen der 2. Bauphase am Kiefernweg zurück. Angeregt von Bruno Taut, entschieden sich im November 1919 insgesamt 15 Künstler und Architekten, unter ihnen Jakobus Goettel und Walter Gropius, zu einem anonymen Briefwechsel, um „in der Stille das Neue Bauen vorzubereiten“. Dieser lose Zusammenschluss ging als „Die Gläserne Kette“ in die Geschichte ein. Goettels Kontakt zu Bruno Taut ließ ihn 1926 nach Berlin übersiedeln. Dort entstanden nach seinen Entwürfen eine Reihe von weiteren Siedlungen bzw. Wohnanlagen. 1937 verließ Jacobus Goettel Berlin. Ab hier verlieren sich seine Spuren.

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7 Kiefernweg

In einer Veröffentlichung aus 1914 von Anna Zanders zur Entwicklung des Bau- und Wohnungswesens in Bergisch Gladbach findet sich der Hinweis, dass verschiedentlich eine aufgelockerte Baufluchtlinie im Gronauerwald auf dem Wege der Ausnahmebewilligung zugelassen wurde. Die Stellung und Gruppierung der Häuser sollte unter anderem ein ansprechendes Straßenbild erzielen. So sollte vor allem eine staffelförmige Anordnung der Häuserreihen das Siedlungsbild bereichern. Dieser Ansatz ist im Kiefernweg sehr gut gelungen und vor allem die Häuser Nr. 8/10 und 12/14 nehmen hier eine entsprechende Stellung auf dem Grundstück ein, indem sie schräg zur Straße angeordnet wurden. Die sonstigen Gebäude sind hingegen rechtwinkelig zur Grundstücksgrenze orientiert und lediglich durch mäßige Vor- oder Rücksprünge versetzt. Neben den Plänen von Lindemann wählte Brodersen, der mit dem städtebaulichen Entwurf der Siedlung beauftragt wurde, für die Umsetzung eine sogenannte „offene Bauweise“. Hierdurch wurden die Durchblicke zwischen Straße und Hof- bzw. Gartenflächen zu einem wesentlichen Merkmal des Siedlungsbildes. Obwohl viele dieser Durchblicke inzwischen geschlossen wurden, findet man im Kiefernweg immer noch diverse Häuser, die von der Straße aus einen Blick in die Gärten gewähren.


Oskar Lindemann, Architekt (1880—1914)

Der in Nordhausen geborene Architekt war ab 1900 in Bergisch Gladbach zunächst für Ludwig Bopp tätig. Später entstanden nach seinen Entwürfen einige repräsentative Bürgerhäuser. Innerhalb der Gronauer Waldsiedlung zeigen die von ihm am Gronauer Waldweg errichteten Beamtenhäuser sowie die Arbeiterhäuser am Kiefernweg eine reiche Formensprache. Auffallend sind seine mit zahlreichen Schmuckverzierungen und Schnitzwerk versehenen Erker- und Eckfensterausbildungen. Sie stellen in der Siedlung eine architektonische Bereicherung der Fassadengestaltung dar. Oskar Lindemann fiel zu Beginn des 1. Weltkrieges.


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8 Richard-Zanders-Straße

Die Richard-Zanders-Straße, als Verbindung zwischen Mülheimer Straße und Bensberger Straße, war als Haupterschließungsader der Gronauer Waldsiedlung vorgesehen. Neben der mittigen Fahrbahn wurde ein so genannter „Sommerweg“ geplant. Hierbei handelte es sich um eine un-befestigt gebliebene Trasse, die nur bei schönem Wetter, also im Sommer, passierbar war. Der Belag war so gestaltet, dass ihn zumindest ein leichtes Fuhrwerk befahren konnte. Die Straße erhielt ihren Namen zu Ehren von Richard Zanders in der Zeit zwischen 1906 und 1918. Davor trug der südliche Abschnitt ursprünglich den Namen Scheidstraße. Wie im Denkmalbereich an der Eiche finden sich auch hier einige denkmalgeschützte Häuser be-kannter Architekten, wie das Haus Nr. 29, Haus Nr. 47, Haus Nr. 49 und Haus Nr. 53.


Richard Zanders, Papierfabrikant (1860—1906)

Richard Zanders wurde am 31. August 1860 als einer der Söhne von Carl Richard und Maria Zanders im Haus an der Schnabelsmühle geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Köln studierte er Jura und Volkswirtschaft in Bonn. Er arbeitete dann zusammen mit seinem Bruder Hans in den väterlichen Werken und erwarb hier erste Kenntnisse im Vertrieb der Papierprodukte und in der Handhabung der Papiermaschinen. Nachdem die Brüder gemeinsam Erfahrungen im Ausland gesammelt hatten, übernahm Richard Zanders die Firmenleitung und stellte die Weichen für ein Weltunternehmen der Papierproduktion. Seit 1892 war Richard Zanders als Ratsherr der Stadt Bergisch Gladbach verbunden. Die Stadtplanung war ihm ein besonderes Anliegen. Mit der gemeinnützigen Gronauer Waldsiedlung gaben er und seine Frau Anna in Zeiten stürmischer Stadtplanung ein Beispiel, wie sie sich eine durchgrünte und menschenfreundliche Wohnbebauung vorstellten. Der Tod von Richard Zanders im Jahr 1906, im Alter von nur 46 Jahren, beendete jäh sein Engagement.

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9 Birkenhain

Der Birkenhain bildet den Eingang zum süd-westlichen Teil der Gartensiedlung – zwei Doppelhäuser stehen sich hier gegenüber und bilden ein Tor. Die Bebauung im Birkenhain und am Birkenbusch entstand in der 3. Bauphase nach dem 1. Weltkrieg. Im Gegensatz zu den repräsentativen Merrill-Villen an der Richard-Zanders-Straße, die zum großen Teil noch in ihrer ursprünglichen Bauform und mit ortsbildprägenden Grünanlagen erhalten sind, findet man am Birkenhain eine typische, verdichtete Bauweise der 1930er Jahre. Diese wurde in späteren Jahrzehnten massiv verändert, sodass hier der ursprüngliche Charakter der Siedlung nur noch schwach erkennbar ist. Restbestände des Waldes, der die Siedlung ursprünglich nach Süden hin abschloss, sind zum Glück noch vereinzelt erhalten. Der Birkenhain erhielt erst 1976 seinen Namen, zuvor hieß er Birkenweg.


Theodor Edwin Merrill, Architekt (1891—1978)
In Köln als Sohn eines US-amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Merrill in Aachen und an der Cornwall-University in New York Architektur. Aufgrund der hervorragenden gesellschaftlichen Verbindungen seines Vaters erhielt er viele Aufträge u.a. in Köln (Villenkolonie Marienburg) und auch der Gartensiedlung Gronauer-wald. In den 1920/1930er Jahren zählte Merrill zu den herausragenden Villenarchitekten. Während der Zeit des Nationalsozialismus emigrierte er nach Amerika und war in New York als Architekt für die Rockefeller-Stiftung tätig. Seine Architektur zeichnete sich durch ausgewogene Proportionen, künstlerische Qualität und Detailbearbeitung aus. Dieses wird besonders an der von ihm entworfenen Villa Richard-Zanders-Straße 56 deutlich, die ohne Verwendung dekorativer Stilmittel und unter Ausschluss alles Unnötigen ein Bauwerk von „aristokratischer Sachlichkeit“ darstellt. Ab 1951 war Merrill wieder in Köln als Architekt tätig.

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10 Am Birkenbusch

Obwohl es im 1. Weltkrieg keine Zerstörungen im Stadtgebiet gab, führte das Anwachsen der Bevölkerung und der desolate Zustand vieler alter Bauten zu einem massiven Wohnraummangel in Bergisch Gladbach. Bis zum Ende der 1920er Jahre wuchs die Gartensiedlung von vorher 108 auf 320 Häuser an. Anfang der 1920er Jahre wurde die Bebauung südlich der Richard-Zanders-Strasse in Angriff genommen. Es entstanden entlang der neu angelegten Straße „Am Birkenbusch“ mehrere Doppelhausgruppen, die vom Architekten Clemens Klotz entworfen wurden. Typisch für seine Entwürfe am Birkenbusch sind eine zweigeschossige Bebauung, deren traufseitige Stellung durch einen auf Säulen ruhenden, baldachinartigen, eingeschossigen Vorbau akzentuiert wird. Die als Doppelhäuser geplanten Kuben waren ursprünglich durch zurückversetzte Stallgebäude miteinander zu Vierhausgruppen verbunden. Auf der Gartenseite diente ein eigenständiger Anbau als sanitäre Anlage für die Bewohner.


Clemens Klotz, Architekt (1886—1969)

Der gebürtige Kölner absolvierte seine Ausbildung in verschiedenen Architekturbüros in seiner Heimatstadt. Ab 1911 arbeitete er als selbstständiger Architekt vorrangig auf den Gebieten des Büro- und Wohnungsbaus. In der Gartensiedlung Gronauerwald errichtete Klotz 1922—1923 Doppelhäuser an der Straße „Am Birkenbusch“. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt Klotz durch die NSDAP große Aufträge für Schulungsbauten und Ordensburgen, u.a. fertigte er die Entwürfe für das „KdF“-Seebad Prora auf Rügen und die Ordensburgen Vogelsang und Crössinsee. In dieser Zeit wurde er zum Professor ernannt und in die Preussische Akademie der Künste aufgenommen. In der Nachkriegszeit spielte Klotz keine besondere Rolle mehr im Baugeschehen. Seine weiterhin an den Planungsprinzipien der NS-Zeit orientierten Entwürfe fanden nur noch wenig Anklang.

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11 Ahornweg

Der erste Masterplan der Gartensiedlung Gronauerwald des königlichen Gartenbaudirektors aus Berlin, Albert Brodersen, sah eine Wohnbebauung lediglich nördlich der heutigen Richard-Zanders-Straße vor. Im Jahr 1914 erarbeite der in der Siedlung tätige Stuttgarter Architekt Jacobus Goettel einen neuen Entwurf für einen Bebauungsplan, ergänzt um einen südlichen Teil der Siedlung. Es sollten u.a. an der neu geplanten Straße Ahornweg lange Reihen gleichförmiger Arbeiterhäuser entstehen. Bedingt durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde dieser Plan jedoch nicht umgesetzt. Der untere Teil des Ahornwegs wurde schließlich nach dem 1. Weltkrieg in den 1920er und 1930er Jahren fast ausschließlich mit Doppelhäusern bebaut. Bereits im Jahr 1906 schlug die Stadt den Bau eines neuen Landratsamtes in Bergisch Gladbach vor. Im August 1913 bot die Siedlungsgesellschaft das jetzt von Kaufland überbaute Grundstück hierfür an. Es entstand ein Lageplan, der jedoch nie umgesetzt wurde. Der Sitz des Landrates bleib bis zum Jahr 1933 in Mülheim. 


Luftkrieg im zweiten Weltkrieg

War die Stadt im 2. Weltkrieg bisher vom Luftkrieg weitestgehend verschont geblieben, kam es am 3. Februar 1945 um 15:00 Uhr zu einem Großangriff durch einen US-Kampfverband. 50 viermotorige Flugzeuge warfen ca. 300 Bomben ab. Einer der vier Bombenteppiche bedeckte vom Refrather Weg her den Ahornweg, den Bahndamm bis hin zur Richard-Zanders-Straße, den Lindenhof und den Birkenbusch. Insgesamt kamen an diesem Tag 67 Personen in der Stadt ums Leben, allein am Ahornweg starben 18 Anwohner. Zum Schutz der Bevölkerung waren bereits 1943 zwei Deckungsgräben aus Beton für jeweils 80 Personen am Refrather Weg und Am Wäldchen gebaut worden. Darüber hinaus entstanden zahlreiche kleinere Splittergräben aus Holz mit Erdreichüberdeckung am Kiefernweg, Gronauer Waldweg, Talweg und an der Richard-Zanders-Straße.

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12 Gronauer Waldweg

Der Abschnitt des Gronauer Waldwegs zwischen Richard-Zanders-Straße und dem Platz an der Eiche zählt zu den ältesten Bereichen der Gartensiedlung Gronauerwald. Bis 1906 waren bereits die Häuser auf der südlichen Straßenseite errichtet worden, in der 2. Bauphase wurden zwischen 1909 und 1913 die übrigen Bauten errichtet. Hauptsächlich finden sich hier großzügig konzipierte „Beamtenhäuser“. Als „Beamte“ wurden damals beim Papierfabrikanten Zanders die Angestellten bezeichnet, die im Unterschied zu Arbeitern ein festes Monatsgehalt bezogen. Aufgrund der weitgehend intakten Siedlungsstruktur ist dieser Abschnitt seit 2011 durch eine Denkmalbereichssatzung geschützt. Die aufgelockerte Struktur, die begrünten Vorgärten und die Blickbezüge zwischen öffentlichem Raum und Gärten sind hier noch deutlich erkennbar. Erst 1924 erhielt der Gronauer Waldweg seinen Namen.


Fritz Enke, Landschaftsgestalter (1861—1931)

Fritz Enke wurde nach seiner Ausbildung und Arbeiten in Berlin, Erfurt und Chester 1889 in Potsdam zum Königlichen Gartenbaudirektor ernannt. Bereits 1902 wurde er zum Gartenbaudirektor der Stadt Köln berufen. Später übernahm Enke den Vorsitz der „Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur“ (DGGL). In den Jahren zwischen 1903 und 1928 entstanden unter seiner Regie in Köln neun städtische Grünanlagen, u.a. der „Volksgarten“ und der „Friedenspark“. Parallel dazu wurde ihm auch die gärtnerische Planung und Gestaltung der Gronauer Waldsiedlung übertragen. Enke legte detailliert seine Ideen zur Gestaltung der Grünräume dar; so sollten z.B. die Grundstückseinfriedungen mit Liguster oder Weißbuche erfolgen, in den Gärten Beerensträucher, Gemüse und Obstbäume gepflanzt, aber auch Zierpflanzen wie Waldreben und Rosen genutzt werden. Kurz vor seinem Ableben wurde Enke zum Dr. h.c. der Landwirtschaftlichen Hoch-schule Berlin ernannt.

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Der „Rundweg Gronauerwald“ wurde gefördert mit Mitteln des Landes NRW und freundlicher Unterstützung durch Manfred-Walter Kautz und die Stadt Bergisch Gladbach.
Konzept, Recherche, Texte: Ariane von Britton, Frank Grobolschek und Till Erdmenger. Gestaltung: Till Erdmenger. Unser Dank gilt Prof. Michael Werling für viele Detailinformationen.